Die häufigsten Fehler
Zeiten und Regionen werden gemischt
„Boa dieser Vendel-Helm ist soooo schick, aber diese Axt von 1100 auch“ oder „Ach das Kleid und die Kette kommen ja beide aus dem 9.Jhd“
Beide Beispiele sind unterschiedliche Ausprägungen des selben Problems. In einer guten Darstellung sollte man sich auf eine Zeitstellung und eine Region festlegen und diese möglichst einhalten.
Wikinger und ihre Hörner
Also Helme mit Hörnern gab es definitiv nicht, sie sind erst durch Wagner-Opern zu einer gängigen Vorstellung geworden.
Auch beim Trinkhorn am Gürtel muss ich enttäuschen, die einzigen Belege in dieser Richtung deuten auf die Nutzung bei Festivitäten und Ritualen hin. Und auch da wurden sie nicht als Haupttrinkgefäße genutzt, diese Waren hauptsächlich aus Ton/Keramik und seltener aus Glas.
Das Mittelalter ist grau
Klare Antwort: Nein! Die Kleidung war bunt und alles andere als eintönig. Es gab diverse Pflanzen, mit denen die Stoffe in den buntesten Farben gefärbt wurden. Generell gilt, je intensiver die Farbe desto teurer.
Früher hieß es in der Mittelalterszene braune oder graue Stoffe müssen es sein. Um diesen Reenactorism zu bekämpfen wird die Farbe allerdings wieder inflationär genutzt und ist damit der nächste Reenactorism. Nicht jeder hat sich damals bunte Stoffe geleistet und erst recht wurde nicht jeden Tag die Festtagskleidung in dunklem rot oder blau getragen. Es dürfen gerade als Alltagskleidung ruhig auch ungefärbte Stoffe sein und gerne auch gestückelt und geflickt.
Da mach ich halt ne Ziernaht/Borte/Stickerei drauf, dann sieht es authentisch aus
Ja, es gab alle 3 Verzierungen im Frühmittelalter, aber absolut nicht so häufig wie es heutzutage genutzt wird. Früher waren unsichtbare Nähte der Standard, nicht die auffälligen Nähte und erst recht nicht in Kontrastfarben. Mehr dazu kommt im Artikel zu den Nähten.
Das häng ich mir an den Gürtel
Gürtel sind oft komplett behängt mit diversen Taschen, Beuteln, Messern und allem was man zu brachen meint. Ja auf einem Markt ist das etwas anders als zuhause, man kann nicht einfach alles auf dem Tisch/im Regal liegen lassen und in der modernen Zeit hat man auch noch Dinge wie Handy, Zigaretten oder den Autoschlüssel dabei, die untergebracht werden wollen. Eine gute Alternative zur hundertsten Gürteltasche kann eine Umhängetasche sein. Gürteltaschen sind generell eher selten in Gräbern zu finden, egal ob bei Mann oder Frau. Selbst der Gürtel an sich ist besonders bei Frauen ein Thema für sich.
Aber der macht das doch auch so
Oft sehen wir bei anderen Dinge die uns gut gefallen und wir machen das dann einfach nach weil „er hat das doch sicher recherchiert“. Genau so entstehen Reenactorism. Nur weil andere das so machen ist es noch lange nicht richtig und authentisch, leider kommt man da nicht um eigene Recherche herum.